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Mobilitätsbedarf verdreifacht sich bis 2050 - Disruptionen drohen

Der Mobilitätsbedarf wird in den kommenden 30 Jahren weltweit dramatisch zunehmen. Zahlreiche “disruptive” Entwicklungen innerhalb und auβerhalb des Verkehrs könnten den Sektor zudem erheblich verändern.

Der Personenverkehr wird sich bis 2050 nahezu verdreifachen und von 44 auf 122 Trillionen Personen-Kilometer anwachsen. Der weltweite Frachtbedarf wird sich ebenfalls verdreifachen.

Diese Zahlen ergeben sich aus heute veröffentlichten Projektionen des International Transport Forum, einem zwischenstaatlichen Thinktank.  

Für die aktuelle Studie ITF Transport Outlook 2019 wurden zudem mögliche Auswirkungen von elf “Disruptionen” auf den künftigen Mobiltätsbedarf simuliert:

  • Die Einführung gemeinsam genutzer Mobiltätsdienste (“shared mobility”) könnte die Zahl der gefahrenen Kilometer in Städten halbieren. Der CO2-Ausstoβ aus Stadtverkehr würde bis 2050 um 30% sinken.
  • Sollten sich autonome Fahrzeuge schneller als erwartet durchsetzen,  würde sich die Gesamtzahl der gefahrenenen Kilometer leicht erhöhen. Die CO2-Emissionen aus Stadtverkehr würden dennoch zurückgehen – wenn die Fahrzeuge im Regelfall gut besetzt sind. Autonome Lkw würden Güter von Bahn und Binnenschiffahrt auf die Straβe verlagern, jedoch mit minimalem Effekt auf CO2-Emissionen
  • Bei einer starken Zunahme von Heimarbeit (“teleworking”) könnten in der Stadt zurückgelegte Personen-Kilometer und daraus resultierendes CO2 im Jahr 2050 rund 2% niedriger als ohne diese Entwicklung.
  • Mehr Billigflüge auf Langstrecken führen zu einem Anstieg um 1% des nicht-städtischem Reiseaufkommens und der daraus stammenden CO2-Emissionen.
  • Der Ausbau von ultra-schnellem Bahnverkehr würde 1% mehr Passagiere anlocken und den CO2-Ausstoβ des auβerstädtischen Passagierverkehrs um knapp 1% senken.
  • Alternative Energiequellen für Flugzeuge würden die CO2-Emissionen der Luftfahrt dramatisch reduzieren. Würden alle Kurzstrecken elektrisch betrieben, sänke der CO2-Ausstoβ aus inländischen Flügen um 55%.
  • Ein weiteres schnelles Anwachsen des Online-Handels könnte internationale Frachtvolumina um 2% bis 11% anwachsen lassen, je nach Verkehrsträger. CO2 aus Frachtverkehr würde dann bis 2050 um 4% zunehmen.
  • Fall sich 3D-Druck in groβem Maβstab in der Produktion wie im Heimbereich durchsetzt, könnte dies das weltweite Frachtaufkommen um 28% reduzieren, währen die assoziierten CO2-Emissions um 27% fallen würden. Allerdings ist ein so hoher Nutzungsgrad des 3D-Druckens unwahrscheinlich.
  • Neue Handelsrouten würden globale Frachtvolumina und deren CO2-Emissionen nur marginal beeinflussen. Sie könnten jedoch erhebliche Auswirkungen auf Logistik-Ketten und für die Verkehrsinfrastruktur haben.
  • Die umfassende Einführung von Groβ-Lkw könnte die CO2-Emissionen des Straβengüterverkehrs um 3% senken. Sollte der Straβenfrachtverkehr auf Langstrecken mit CO2-arme oder -freie Brennstoffe umgestellt werden, so würde der entsprechende CO2-Ausstoβ in 2050 um 16% niedriger liegen.

Der ITF Transport Outlook 2019 untersucht ebenso Szenarien für Mehrfach-Disruptionen, bei denen verschiedene disruptive Entwicklungen zwischen heute und 2050 parallel auftreten. Alle getesteten Mehrfach-Disruptionen senken den CO2-Ausstoβ des Verkehrssektors erheblich:

  • Die Kombination aus “shared mobility”-Diensten, autonomen Fahrzeugen und Einschränkungen für Privat-Kfz senkt städtische Verkehrsemissionen um 73%.
  • Mit der kombinierten Einführung neuer Technologien und der Optimierung von Logistik-Abläufen könnten Frachtemissionen im Jahr 2050 um 60% unter den unter heutigen Bedingungen projizierten liegen.

Allerdings sind solche CO2-Reduktionen nur möglich, wenn politische Rahmenbedinungen gesetzt sind, welche die disruptiven Entwicklungen lenken. Sich selbst überlassen, würden kombinierte Disruptionen weit geringere Emissionsenkungen zur Folge haben.

Der CO2-Ausstoβ des Verkehrs bleibt eine groβe Herausforderung. Wenn derzeitige und absehbare Maβnahmen zur CO2-Absenkung implementiert werden, zeigen Projektionen einen weiteren Anstieg um 60% bis 2050.

Werden deutlich ambitioniertere Dekarbonisierungs-Maβnahmen angenommen, fällt der CO2-Ausstoβ des Verkehrs bis 2050 um 30%. Auch dies würde jedoch nicht ausreichen, um die durchschnittliche globale Temperaturzunahme unter 2 Grad Celsius gegnüber  dem vorindustriellen Zeitalter zu halten. Dies ist die Zielvorgabe des Pariser Klima-Abkommens.

Um die kommenden Herausforderungen zu meistern, empfiehlt der Bericht dem Verkehrssektor,

  • sich auf Disruptionen von ausserhalb des Verkehrssektor vorzubereiten;
  • politische Rahmenbedingungen zu schaffen, die Innovationen fördern;
  • ambitionierete Maβnahmen zur Senkung der CO2-Emissionen des Verkehrs zu ergreifen.

 Der ITF Transport Outlook 2019 ist unter diesem Link erhältlich: http://wx.oecdcode.org/TIidWpLC

English version: Transport demand set to triple, but sector faces potential disruptions

Ansprechpartner für Medien:
Michael KLOTH
Leiter Kommunikation
M +33 (0)6 15 95 03 27
michael.kloth@itf-oecd.org

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